Am Anfang war das Lego-Set

Jetzt ist es noch still im Audimax der SAP in St. Leon-Rot. Schiedsrichter in schwarz-weiß gestreiften Trikots haben ihre Stirn in Falten gelegt und prüfen, ob die Felder richtig aufgebaut sind. In ein paar Minuten beginnt hier der Regionalwettbewerb der First Lego League.

Dean Kamen, der Erfinder des Wettbewerbs, wollte Kindern zeigen, dass es mehr Spaß macht, ein Videospiel oder einen Roboter zu konstruieren, als nur damit zu spielen. Seit 2001 hat das Robot-Game Fans in vielen Ländern der Erde gefunden: Von Neuseeland bis nach Indien und Südafrika. 2012 gab es so viele Anmeldungen wie nie zuvor, und noch nie waren so viele Mädchen darunter. SAP unterstützt Teams, finanziert die LegoMindsets und ist in Deutschland Gastgeber von einem der Regionalwettbewerbe. Der Gewinner kommt in die nächste Runde und darf am Ende vielleicht im weltweiten Finale in den USA gegen Roboter-Teams aus der ganzen Welt antreten.

der Puls der ZukunftBernd Welz, SAP Executive Producer und Coach des Teams RobotSAPpXL, über die Idee, Lego-Bausteinen Leben einzuhauchen

Was erhofft sich SAP vom Projekt? Wir wollen in Kindern eine Begeisterung für Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik wecken. Ich glaube, wir schaffen das mit dem FLL-Wettbewerb wesentlich leichter als in der Schule im Trocken-Unterricht mit Noten. Hier schlägt der Puls der Zukunft.

Sie sind selbst Coach eines Teams. Wie ist das für Sie? Ich leite ein Team, in dem auch mein Sohn und meine Tochter sind. Es macht Spaß zu sehen, wie begeistert die Kinder sind. Sie halten am Anfang nichts von Theorie, es geht sofort los, man hangelt sich vorwärts, probiert, testet. Den Roboter gefügig zu machen, ist mit viel Frust verbunden. Aber wenn es klappt, dann ist das sehr schön anzusehen.

Was fasziniert Sie persönlich an der First Lego League? Viele Teams sind schon mehrere Jahre dabei und haben sehr raffinierte Roboter mit ausgeklügelten Werkzeugen. Aber es gibt auch junge Teams, die zum ersten Mal dabei sind, die es schaffen mit einfachen Robotern ihre Aufgaben zu meistern. Als Ingenieur neigt man dazu, Sachen zu verkomplizieren, alles muss super engineered und elegant sein. Ganz einfache Lösungen überraschen mich immer wieder.

Das Audimax der SAP University in St. Leon-Rot bei Heidelberg hat sich gefüllt mit Teilnehmern und Eltern; mit Leben, Bauchkribbeln, Nervosität und Vorfreude. Viel Energie und Herzblutsindgeflossen.MonatelangeKlügelei steckt in den Robotern. Heute müssen sie sich beweisen. Während Moderator Gregor Steinbrenner die 20 Teams begrüßt, schwebt still im leichten Luftzug des Audimax ein Luftballon-Piratenschiff über den Köpfen der Zuschauer. Ein freundlicher Totenkopf ziert den Ballon. Die Schnur wird von einem rothaarigen Mädchen mit Augenklappe gehalten. Sie gehört zu den SAPiraten. Das Maskottchen SAPi, ein bunter, samtweicher Papagei, hat die elfjährige Hannah selbst genäht. Seit den Sommerferien haben sich die sechs Teamkollegen jede Woche getroffen. Gemeinsam haben sie Roboter zusammengebaut und ihnen das Laufen beigebracht: vorwärts, rückwärts und seitwärts.

Stolz und Piraten-Power

Coras Schwester hat vor zwei Jahren an der FLL teilgenommen. Da war Cora zum ersten Mal auf einem Wettbewerb. „Immer wenn das Team eine Aufgabe richtig gelöst hatte, wurde ich durch die Luft geworfen“, erinnert sie sich an ihre Zeit als „Team-Maskottchen“.

Jedes Team hat als Grundlage ein Lego-Mindset. Dazu gehören Zahnräder, Elektromotoren, Sensoren und das Herzstück: ein programmierbarer Legostein, der einem grauen Gameboy ähnelt. Jeder Roboter ist ein Unikat. Was er kann, entscheiden Technik und Fantasie der Kinder. Mit dem Roboter werden Aufgaben auf einem Spielfeld gelöst, erst lernt er laufen, dann greifen. Aber er ist nie besser als seine Macher. „Unser Roboter hat eine richtig gute Linienverfolgung, einen PID-Regler, Pneumatik.“ Cora ist stolz auf ihr Werk.

Aufregung und Konzentration

Schließlich wird es für die SAPiraten ernst. Auf der Leinwand im Audimax blitzen Schweißbänder mit Totenköpfen auf, die Kamera überträgt ihr Robot-Game. Die Tische mit der Beleuchtung erinnern an OP-Tische. Die Konzentration gleicht der von Chirurgen. Anspannung bis in die Zehenspitzen. Mitdenken, vorausdenken. Auf den Tischen müssen die Roboter einen Parcours bewältigen. Mit jedem Kunststück kann man Punkte sammeln: Wenn der Roboter die Medizinflaschen zu fassen bekommt, den Stuhl reparieren kann, den richtigen Hebel erwischt und hoffentlich ohne Gleichgewichtsstörung über die Brücke fährt. Eingreifen darf das Team erst, wenn der Roboter an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt ist. Dann muss das Team blitzschnell die kleinen Fehler wegprogrammieren. Dreimal darf man antreten, der beste Versuch zählt.

Ideen für Alltagsprobleme

In der First Lego League zeigen die Jungen und Mädchen auch, wie ihre Ideen anderen zu Gute kommen können. Denn eine wichtige Kategorie in der Gesamtbewertung ist die Forschungspräsentation zu einem Jahresthema. In diesem Jahr geht es um „Senior Solutions“, also um Ideen, wie man älteren Menschen ihr Leben erleichtern kann. „Die Teams haben sich einen Senior-Partner und einen Experten gesucht, der sie beraten hat, um ein Projekt zu entwickeln, das den Alltag von älteren Menschen verbessern können soll. Wichtig ist uns, dass die Kinder etwas Umsetzbares und Nachhaltiges ausgearbeitet haben“, so Jurorin Csilla Wagner.

Die SAPiraten schaffen es am Ende unter die Top Ten. Bei der Siegerehrung laufen sie nach vorne, strecken die Hände in die Höhe, das Piratenschiff tänzelt in der Luft hinterher.