Der Cent rollt

Monika Schleicher ist Software-Trainerin bei SAP und hatte die Idee für das Projekt „Restcent“: SAPMitarbeiter spenden die Nachkommastellen ihres Gehalts. Jährlich kommen so 36.000 Euro zusammen. Verdoppelt durch das Unternehmen gehen auf diese Weise über 70.000 Euro an soziale Projekte in aller Welt.

ls Monika Schleicher die kleine Notiz in einer Zeitung las, war sie begeistert: In der Bremer Stadtverwaltung zahlen Mitarbeiter am Ende des Monats die Cent-Beträge ihres Lohns auf ein gesondertes Konto ein. Das gesammelte Geld spenden sie am Ende des Jahres für gemeinnützige Projekte. Hierfür müsste sich doch auch ein Programm entwickeln lassen, das diesen Vorgang automatisiert und so die mühsame Einzelüberweisung entfällt. Diesen Vorschlag reichte Schleicher beim unternehmensinternen Ideenmanagement ein. Begeistert von der Idee war auch der Vorstand und unterstütze die Entwicklung eines geeigneten Tools. Die Änderungen für die bestehende Buchhaltungssoftware wurden program- miert und die Lohnabrechnung angepasst. Seit Oktober 2009 können SAP-Mitarbeiter in Deutschland nun den Betrag hinter dem Komma ihres monatlichen Gehalts spenden. Mit einem Klick kann sich jeder Mitarbeiter beteiligen. Seit mittlerweile drei Jahren läuft das Projekt erfolgreich: Mehr als ein Drittel der SAP-Mitarbeiter spenden regelmäßig ihren „Restcent“ am Ende des Monats, maximal knapp zwölf Euro im Jahr. Fast alle Mitarbeiter, die sich schon am Anfang für die Initiative entschieden haben, sind heute immer noch dabei. Monika Schleicher glaubt den Grund dafür zu kennen warum sich nicht jeder zu einer Teilnahme entschließen kann: „Wenn man den Restcent spendet, entscheidet man ja nicht alleine, wohin das Geld geht, sondern teilt diese Entscheidung mit allen anderen, die mitmachen.“

SAP-Mitarbeiter wählen unterstützenswerte Initiativen

Ein Jahr lang werden die Gelder gesammelt. Währenddessen können alle Teilnehmer Projekte aus dem Inund Ausland vorschlagen – tendenziell werden häufiger Projekte außerhalb Deutschlands eingereicht. Nach der ersten Selektion durch ein Gremium können alle teilnehmenden Mitarbeiter abstimmen und somit bestimmen an welches Projekt das gesammelte Geld geht. Bislang wurden so mehr als 30 Initiativen gefördert.

Unternehmen verdoppelt Spendensumme

Das Unternehmen SAP verdoppelt die Summe der gesammelten Restcents, so dass bislang in jedem Jahr über 72.000 Euro zu vergeben waren. In den vergangenen drei Jahren kamen so bereits 120.000 Euro zusammen. 2011 konnte damit zum Beispiel ein Brunnen für eine Grundschule mit 100 Schülern in Tansania gebaut werden. Zugunsten von körperlich behinderten Menschen im Senegal wurde der Verein Rollis für Afrika e.V. unterstützt. Seit acht Jahren sammelt er in Deutschland Hilfsmittel für bedürftige Menschen. Durch die SAP-Spende konnte 2012 der Transport für die Auslieferung von Rollstühlen und anderen Geräten gesichert werden. Das gesammelte Geld kommt ganz konkreten Projekten zugute. Die maximale För- dersumme beträgt 10.000 Euro – pro Spendenjahr werden zwischen sieben und acht Vorhaben gefördert.

Spendenmodell international erfolgreich

Inzwischen gibt es das Spendenmodell auch international: „Restcent“ bei SAP in Österreich und „Restrappen“ bei SAP in der Schweiz. Monika Schleicher ist stolz auf den Erfolg von Restcent. Insbesondere gefällt ihr der Gedanke, dass sich eine Gemeinschaft von SAP-Mitarbeitern für ihr Anliegen engagiert. Eine Vision für den Fortgang des Projektes hat sie bereits: Sie wünscht sich, dass noch viele weitere Unternehmen diese Idee aufgreifen und dazu beitragen, mit einem kleinen Klick etwas Großes zu bewirken.